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Das Lernen in Zeiten von Corona

von Marcus Reinert (Kommentare: 0)

Online und blendet learning, Online Meetings und Online Konferenzen

Gabriel García Márquez schrieb über „die Liebe in Zeiten der Cholera“. Und es gibt Gemeinsamkeiten. Während die Protagonisten bei Márquez nach 50 Jahren zueinanderfinden und die Cholera Flagge hissen, hisst die Online Meeting-Gemeinde gerade die Corona-Flagge. Endlich könnte man sagen. Jahrelang haben viele Pädagogen und Trainer auf die Möglichkeit des E-Learnings und des blendet Learning hingewiesen. Bei den meisten Unternehmen und in Schulen mit ziemlich mäßigem Erfolg. Es war für die Entscheider einfach zu bequem sich auf das Bekannte zu verlassen. Unterricht im Klassenraum und Training im Hotel. Nun kommt Corona und beschleunigt die Notwendigkeit Meeting und Lernen neu zu denken.

 

Nun durften wir in den letzten Wochen an mehreren Online Meetings teilnehmen und wir haben selbst einige Online Seminare gegeben.

  • Fazit 1: Die meisten von uns sind nicht sehr gut auf die neue Situation vorbereitet.
  • Fazit 2: Wir alle müssen sehr schnell lernen mit der neuen Situation umzugehen.

 

Meetings und Lernen am Computer, am Rechner oder am Handy hat einige Besonderheiten für Lehrende und Lernende. Für Moderatoren und Teilnehmer.

  • Auf dem Rechner oder Tablet gibt es sehr viele Möglichkeiten sich abzulenken.
  • Die wachhaltenden Umweltreize sind geringer als beim Anwesenheitsmeeting oder Training.
  • Die Klangqualität über Mikrofone und Lautsprecher ist immer schlechter als das menschliche Ohr im Livebetrieb. Je mehr Teilnehmer, desto schlimmer wirkt sich das aus.
  • Die Anforderungen an die Disziplin sind im Online-Seminar sehr hoch. Schließlich kann der Teilnehmer einfach mal herausgehen. Ein Online Meeting Teilnehmer hat erzählt, dass er manchmal, wenn er sich sehr langweilt, einfach ein Bild von sich zeigt und rausgeht. In manchen Meeting Tools ist das selbst das nicht nötig, da die Teilnehmer nicht sichtbar sind, wenn sie nichts sagen.
  • Die Einsatzmöglichkeiten für Medien und Requisiten sind eingeschränkt. Moderationskarten, Seilen oder andere Requisiten der Erlebnispädagogik sind nicht mehr einsetzbar.
  • Sinnvolle Medien wie Tutorials und Lehrfilme sind meist (noch) nicht erstellt und die Erstellung ist aufwendig. Außerdem hat nicht jeder Trainer oder Moderator ein Filmstudio im Keller.

 

Online Moderationen von Meeting sind einfacher als Online Trainings. Daher zuerst ein paar Tipps für Online Moderatoren von Online Meetings.

  1. Zurzeit sind sehr viele Programme für Online Meetings auf dem Markt. Deren Funktionalität wird beinahe stündlich verändert. Wir beobachten daher, dass die Technik eine echte Hürde für die Online-Meetings ist. Senden Sie daher vor dem Online-Meeting ein kleines Tutorial mit technischen Anweisungen und Erklärungen an die Teilnehmer.
  2. In vielen Online Meetings geht die Agenda 3 Stunden oder mehr am Stück durch. Logischerweise klinkt sich der einen oder andere Teilnehmer da mal aus. Wir schlagen vor mindestens alle 45 Minuten eine Pause von 5 bis 10 Minuten einzulegen.
  3. Moderationalisten anlegen. Im Online Meeting ist die Interaktivität zwischen den Menschen eingeschränkt. Das liegt unter anderem daran, dass die Teilnehmer versuche diszipliniert zu sein. Teilnehmer, die nicht reden, stellen sich stumm. Das ist auch gut so. Dennoch unterbindet es Spontanität. „Langsam – Kommunizierer“ kommen auf diese Wiese gar nie zu Wort. Führen Sie eine Strichliste mit den Meldungen der Teilnehmer. Nach einer gewissen Zeit fällt auf, wer sich noch nie oder sehr gemeldet hat. Dann kann der Teilnehmer aktiv angesprochen werden.
  4. Bereiten Sie Medien vor. Für jeden Inhalt muss ein visueller und ein auditiver Reiz vorhanden sein.
  5. Es ist unheimlich langweilig und nervend 5 Minuten am Stück auf eine Folie zu starren. Wechseln Sie daher Folien sehr viel häufiger als beim „Offline-Meeting“. Auch eine gute Animation der Folien ist hilfreich.
  6. Wenn Sie längere Erklärungen machen wollen (5 – 12 Minuten, alles Längere funktioniert sowieso nicht) nehmen Sie den Text auf und automatisieren Sie ihre Präsentation. Das entlastet Sie selbst und die Teilnehmer.
  7. Visualisieren Sie Gesprächsinhalte sofort. Wir haben festgestellt, dass es sehr hilfreich ist die Aufgabe des Visualisierens von der Aufgabe des Moderierens zu trennen.
  8. Wir haben für uns festgestellt, dass es unheimlich hilfreich ist zu zweit zu arbeiten. Ein Moderator. Ein Techniker mit Visualisierungsaufgaben.

 

Hier ein paar Regeln für die Teilnehmer von Online Seminaren.

  1. Bitte nicht aktiv, sondern ruhig zuhören. (Nicken schadet nicht)
  2. Wenn Sie nichts sagen wollen, schalten Sie ihr Mikro bitte stumm.
  3. Lassen Sie ihre Kamera bitte an. Für einen Moderator ist es maximal unangenehm in einen leeren Bildschirm „reinzumoderieren“.
  4. Machen sie körpersprachliche Reaktionen groß. Also nicht nur Nicken, sondern Daumen hoch….
  5. Falls Sie etwas sagen wollt und nicht ins Gespräch hereinkommen nutzen Sie bitte den Chat und schreiben Sie den Moderator an.
  6. Macht sie ihre Beiträge ruhig und prägnant
  7. Wenn Sie mal rausmüssen, bitte Mikro und Kamera abschalten. Das ist ganz speziell bei kabellosen Headsets wichtig.

 

Online Meetings sind unter Einhaltung dieser Regeln relativ gut zu führen. Schwieriger wird es da bei Trainings. Bei Trainings sind die Teilnehmer normalerweise aktiver als in Meetings. Das bedeutet es werden Gruppenarbeiten, Tandemaufgaben und Einzelarbeiten durchgeführt. Die Erarbeitung von Inhalten sowie die Bewusstseinsbildung findet häufig erlebnisorientiert statt. Training befasst sich mit Verhalten. Daher sind Trainings nicht 1 zu 1 online abbildbar. Wir haben festgestellt, dass z. B. Gruppenreflektionen online schwer bis nicht funktionieren. Allein das „Erteilen“ des Worts dauert schon viel zu lange. Spontanität, und davon lebt Training auch, ist quasi völlig ausgeschaltet. In Kleingruppen bis zu 4 Personen klappt eine gemeinsame Reflexion und das Erarbeiten von Inhalten jedoch sehr gut. Wir geben die Gruppen den Hinweis einen Schriftführer zu ernennen, der dann die Visualisierung übernimmt. Übrigens, wir lassen Arbeitsgruppen, im Gegensatz zu normalen Trainings, den ganzen Tag zusammen.

 

Für Beobachtungsaufgaben setzen wir Filme ein. Wir beauftragen Schauspieler aus unserem Spiegelspieler Team verschiedene, zu unseren Verhaltensinhalten passende Situation zu spielen. Diese Filme dienen dann als Grundlage für Beobachtungsübungen für Emotionalität, für Körpersprachliche Themen und Inhalte aus der Gesprächsführung. Die Teilnehmer beobachten und erledigen verschiedene Aufgaben in Kleingruppen. Damit bauen wir für die Gruppe die Brücke aus vermitteltem Wissen ins Verhalten.

 

Online Training eignet sich, unserer Erfahrung nach, gut für blendet Learning. Denn ja, es wird wieder eine Zeit nach Corona geben. Bei Marques dauerte es 50 Jahre. Wir hoffen es dauert bei uns nicht so lange. Es ist also durch Online Training möglich Inhalte, vorbereitend zu vermitteln und das mit verschiedenen Übungsinhalten. Es ist auch m. E. möglich Teilnehmer in ihrem Verhalten zu beobachten und Feedback zu geben.

 

Die Zeitsteuerung. Wir Trainer sind, es gewohnt die, Gruppe einen oder mehrere Tage als Gruppe „da zu haben“ und die Gruppe zu steuern. Online ist das nur sehr eingeschränkt möglich und daher auch gar nicht mehr sinnvoll. Wenn Lehrinhalte medial vorliegen und Übungsaufgaben z. B. mit Filmen vorbereitet sind, können sich Kleingruppen unabhängig vom Trainer treffen und an der Lösung der Aufgaben arbeiten. Das erfordert vom Trainer einen völlig neuen Timing Ansatz. Weg von Tagen hin zu Stunden.

 

Es bedeutet für Personalentwicklungen, dass neue Vergütungsmodelle erdacht und umgesetzt werden müssen. Weg vom Tag hin zur Vorbereitung, Begleitung und zur Bezahlung von Rechten an geistigem Eigentum.

Es bleibt spannend…. bleiben Sie gesund.

 

 

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